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Drei Aktions-Innovationen der Zivilgesellschaft

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Die Zivilgesellschaft braucht Aktions-Innovation, um effektiver Themen und Meinungen setzen zu können. Das tausendste Banner am Konzerngebäude und millionste Protestbild vor dem Kanzleramt sind keine medialen Selbstläufer (mehr). Innovative Aktionsformen überraschen und provozieren hingegen, wie das symbolische Verfrachten der Mauergedenkkreuze an die EU Außengrenzen. Drei Innovationen sollen deshalb vorgestellt werden:

 

1. Nicht protestieren, Sabotieren!

Aktionen vor oder in Events des Kampagnengegners sind ein taktisch kluges und erprobtes Mittel. Die Sabotage geht einen Schritt weiter: Sie nutzt die Dramaturgie der jeweiligen Ereignisse und greift in sie ein.

Das Peng! Collective machte das bei einem von Shell gesponserten Science Slam. Angekündigt als offizieller Programmbeitrag zelebrierten sie auf der Bühne einen Ölunfall gegen Shells Öl-Bohrungen in der Arktis. 140.000 Klicks hat das Video auf Youtube erreicht. Die Aktion schaffte es aber auch schnell von Social Media in die traditionellen Massenmedien.

 

Ebenfalls gegen den Sponsor Shell protestierte Greenpeace beim Formel 1 Grand Prix von Belgien. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln sabotierte Greenpeace die Siegerehrung. Die weltweite Medienresonanz war extrem beeindruckend, insbesondere in Medien, die sich auf die Berichterstattung von Auto- und Motorthemen spezialisiert haben. Dass es die erste Aktion bei einem Formel 1 Grand Prix war, mag ein wesentlicher ein Faktor für die mediale Aufmerksamkeit gewesen sein. Aber das traditionelle Banner war dabei lange nicht so spannend für die Medienvertreter wie die smarte Sabotage der Siegerehrung.

 

 

2. Neue Bilder schaffen

Bilder wirken. Die meisten Protestbilder sind inzwischen aber ebenso ausgelutscht wie ihre Kulissen. Vor ein paar Jahren lachte ich über die Idee für Klimaschutz zu protestieren, indem ein Eisbär an einen Galgen gehängt wird (natürlich eine Atrappe). Die Idee ist diskutabel und sie wurde nie ausgeführt, aber es geht in die richtige Richtung. Als kurz vor dem Klimagipfel in Lima die australische Regierung mit der Weitsicht eines blinden Geisterfahrers Klimaschutz den Laufpass gab, schufen Aktivisten dieses einfache Bild:

 

350.org Aktion in Australien - Photo: 350.org

350.org Aktion in Australien – Photo: 350.org

 

3. Ziviler Ungehorsam 2.0

Ein Banner vor oder an einer Häuserfassade ist Standard – warum also das Konzept nicht auf Internetseiten übertragen? Während des Castortransports 2010 hackten Atomkraftgegner die Seite der Atomlobby kernenergie.de:

 

Screenshot Kernenergie.de während des Castorprotests 2010

Screenshot Kernenergie.de während des Castorprotests 2010

 

Alternativ dazu kann im Namen des Kampagnengegners einfach eine neue Homepage gestaltet werden. Die Yes Man haben das mehrfach vorgemacht: Um gegen die gesundheitlichen Folgen eines neuen Kohlekraftwerks in den USA zu protestieren, wurde im Namen des Betreibers die Initiative „Coal Cares“ gestartet. Die Homepage verkündete, dass man sich um die gesundheitlichen Konsequenzen kümmere: Kindern, die wegen des Kohlekraftwerks an Asthma erkranken, bekommen einen kostenlosen Inhalator, wahlweise mit Justin Bieber oder Sesamstraßen-Motiv:

 

inhalator

Einige dieser Innovationen schon ein paar Jahre alt und wirken immer noch sehr innovativ, was den Aktionscharakter angeht. Das mag daran liegen, dass es solche Aktions-Innovationen zwar gibt, sie aber (noch) kaum umgesetzt werden. Zweitens bleiben viele Prinzipien des erfolgreichen Aktivismus bestehen wie das Verknüpfen von Aktione mit relevaten Inhalten oder Ereignissen. Das Kind muss nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, es braucht nur neue Kleider.

 

 

 

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