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Warum Avaaz die Welt nicht verändert

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Einmal pro Woche schreibt mir Avaaz eine Mail. Mir und über 40 Millionen Menschen auf der Welt . Der Emailverteiler der Organisation ist gigantisch groß.

Avaaz bedeutet so viel wie Stimme. Mit 40 Millionen Stimmen will Avaaz „die Lücke zwischen der Welt, die wir haben und der Welt, die sich die meisten Menschen wünschen, schließen“. Geschafft werden soll das mit Petitionen. „Israel und Palestina: So endet es“, „Gemeinsam gegen Ebola“ und „Bevor die Honigbienen aussterben“ lauten die Aufrufe. Avaaz konzentriert sich auf den „entscheidenden Augenblick einer Krise, um die Wende herbeizuführen.“ Das wirkt effektiv und taktisch clever. Kurz vor relevanten Entscheidungen werden die Entscheidungsträger millionenfach mit Emails beballert und so vermeintlich unter Druck gesetzt.

Bevor eine Kampagne an den Start geht, wird ein Testlauf unternommen. Eine große Petition wird nur dann gestartet, wenn das Thema genügend Leute anspricht. Damit das passiert, müssen Menschen bereits für ein Thema sensibilisiert sein, ein Thema muss also schon eine gewisse Öffentlichkeit erreicht haben.

Themenkarrieren wird das genannt: Weil die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit begrenzt ist, konkurrieren verschiedene Themen um das öffentliche Interesse. Nur wenigen gelingt dabei der Durchbruch. Die Aufmerksamkeit steigt an bis ein Thema in Mode ist, wie es 2009 Klimaschutz oder 2011 Atomkraft. Wenn ein Thema längere Zeit in Mode ist, kommt es entweder zu einer Entscheidung wie beim Atomausstieg 2011 oder zu einer Ermüdung des öffentlichen und medialen Interesses wie beim Klimaschutz nach der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009.

 

themenkarriere

 

Die harte Arbeit besteht darin, einem Thema zum Durchbruch zu verhelfen. Avaaz aber springt mit seinen Kampagnen genau dann auf, wenn ein Thema schon in Mode ist und eine Entscheidung kurz bevorsteht. Dann können Millionen Sofa-Aktivisten eine Protestmail versenden und damit den Nahostkonflikt, das Bienensterben und den Klimawandel beenden. Avaaz ist wie ein Staffel-Läufer, der nur die letzten 50 Meter läuft, dann aber alle Anerkennung des Publikums möchte .

 

Screenshot Avaaz Homepage

Screenshot Avaaz Homepage

 

„We have to go where the silence is“, sagt Amy Goodman, Gründerin von Democracy Now. Die Rolle der Zivilgesellschaft bestehe darin, die vernachlässigten Themen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und ihnen zum Durchbruch zu verhelfen. Das ist keine allgemeine Absage an Onlinepetitionen und Pretests –beides ist wichtig. Aber es bedarf mehr als nur einer Petition und Slacktivismus und es ist ein Problem, wenn Avaaz die Anerkennung (in Form von Spenden) erhält, die andere eigentlich eher verdient haben. Das Kampagnen-Modell von Avaaz scheint leider erfolgreicher beim Erzeugen von Spendengeldern als von Veränderung.

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