Google PlusFacebookTwitter

Klimawandel: Steht die größte Flüchtlingskatastrophe erst noch bevor?

Share On GoogleShare On FacebookShare On Twitter

Der syrische Bürgerkrieg ist die schlimmste Flüchtlingskatastrophe seit dem zweiten Weltkrieg. Etwa vier Millionen Menschen flohen bisher vor ihm. Weitere acht Millionen wurden innerhalb Syriens vertrieben. Auch die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, fliehen vor dem syrischen Bürgerkrieg.

Über 30.000 Menschen waren es in der ersten Jahreshälfte 2015. Das sind mehr als alle Flüchtlinge aus allen Herkunftsländern zusammen im gesamten Jahr 2008. Es ist aber auch nur ein Bruchteil der Menschen, die andere Länder wie die Türkei oder der Libanon aufnehmen.

Es stellt sich die Frage, ob in Zukunft nicht mit deutlich mehr Flüchtlingen zu rechnen ist

Ein Blick auf die Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre zeigt, dass die aktuelle Situation tatsächlich hervorsticht, nur Anfang der 90er Jahre flohen mehr Menschen nach Deutschland. Es stellt sich aber die Frage, ob in Zukunft nicht mit deutlich mehr Flüchtlingen zu rechnen ist, ob wir lediglich eine erste Flüchtlingswelle erleben. Grund dafür ist der Klimawandel.

Das ist besorgniserregend – nicht weil diese Menschen unsere Unterstützung brauchen werden, sondern schlicht, weil es Leid für Millionen bedeutet, die ihre Heimat verlieren.
Schon 2008 warnte Srgjan Kerim, Präsident der UN-Generalversammlung, dass die globale Erwärmung bis zu 200 Millionen Klima-Flüchtlinge produzieren könne. Dürren, der steigende Meeresspiegel und Stürme sind nur Beispiele wie der Klimawandel schon heute Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt.

Es ist zwar kaum möglich, einen einzelnen Sturm auf den Klimawandel zurückzuführen. Einig ist sich die Wissenschaft jedoch darin, dass die Zunahme der Stärke und Häufigkeit solcher Extrem-Ereignisse vom Klimawandel verursacht wird. Aktuellere Untersuchungen warnen zudem aber vor weiteren und drastischeren Gefahren.

Vor Ausbruch des Bürgerkriegs durchlebte das Land die größte Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Forscher der renommierten Columbia University und University of California machen in einer neuen Studie den Klimawandel mitverantwortlich für den Bürgerkrieg in Syrien. Vor Ausbruch des Bürgerkriegs durchlebte das Land die größte Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Diese Dürre allein hat zwar nicht zum Konflikt geführt, diesen aber mit verursacht und befeuert, so das Forscherteam.

Catherine Thomassan ist Geschäftsführerin von Physicians for Social Responsability und ist überzeugt von dem Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem syrischen Bürgerkrieg: „Syrien war kein armes Land. Dann gab es eine vierjährige Dürre und die Regierung konnte die Bauern nicht unterstützen und die Menschen hatten nicht genug zu essen.”

Thomassan vermutet zudem ähnliche Zusammenhänge bei den anderen aktuellen Flüchtlingskatastrophen um Boko Haram und den Bürgerkrieg im Süd-Sudan.
Auch das US-Verteidigungsministerium warnt in seinem aktuellen Vierjahres-Report davor, dass der Klimawandel den Wettbewerb um Ressourcen verschärfe. Der Klimawandel sei ein „Bedrohungs-Multiplikator”.

Ob es den Bürgerkrieg in Syrien ohne den Klimawandel gegeben hätte oder er zumindest weniger stark eskaliert wäre, bleibt Spekulation. Das Bundesamt für Migration rechnet auch ohne Flüchtlinge aus Klima-Konflikten mit bis zwischen 150 – 200 Millionen Klimaflüchtlingen bis 2050 – pro Jahr.
Die Klimakonferenz in Paris Ende des Jahres bietet die Chance, Leid für Millionen Menschen zu verhindern: Eine Chance, die nicht vertan werden darf.

 

Dieser Text wurde zuv bereits in der Huffington Post veröffentlicht.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>