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Warum ich zur Klimakonferenz nach Paris trampe

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Am 23. November geht es los: zu zweit trampen wir 1.000 Kilometer von Dresden nach Paris, um an der UN-Klimakonferenz teilzunehmen. Trampen ist CO2-neutral und dadurch die klimafreundlichste Art zur Klimakonferenz zu kommen (außer Fahrradfahren).

Es wäre einfach zu sagen, es geht dabei um meine Zukunft. Das habe ich schon in Mikrophone und Kameras gesprochen, als ich das erste mal Teil einer großen Klima-Kampagne war – 2009 vor der Konferenz in Kopenhagen. Natürlich betreffen die Ergebnisse von Paris vor allem junge Menschen, die die Auswirkungen des Klimawandels noch erleben. Aber ich glaube das ist es gar nicht, was mich wirklich antreibt, warum ich wirklich nach Paris trampe.

Natürlich ist trampen auch ein klein wenig mehr Abenteuer. Ich habe mich gefragt, ob ich das nach den Attentaten von Paris noch machen kann. Es gab Fehlmeldungen von geschlossenen Grenzen. Ob ich das offen aussprechen sollte, dass ich nach Paris trampe, auch einfach weil ich es spannend finde, habe ich mich gefragt. Aber ich denke, ich will es den Attentätern einfach nicht gönnen, dass wir unseren Lebensstil, unsere Handlungen und auch unseren Spaß der Angst vor ihrem Mist unterordnen. Aber warum nun trampe ich nach Paris, um mir dort die Nächte in Besprechungen und an meinem Laptop um die Ohren zu schlagen?

Schon das ganze Jahr über habe ich mit Climate Tracker auf die Klimakonferenz hingearbeitet. Ich freue mich natürlich sehr als einer von 11 jungen Leuten aus 2.000 Berwerbern zur Klimakonferenz kommen zu dürfen. Eine der wertvollsten und spannendsten Erfahrungen dabei war, zusammen mit jungen Menschen aus der ganzen Welt zu arbeiten – von Costa Rica über Ghana bis zu den Philippinen.

Auch in Deutschland schmelzen Gletscher, der Sommer war so heiß und trocken, dass die Elbe in Dresden auf ein surreal kleines Rinnsal schrumpfte. Aber im Großen und Ganzen ist unser Alltag noch ziemlich wenig betroffen.

Auf dem Weg zu den UN-Verhandlungen in Bonn. Copyright: AdoptaNegotiator

Auf dem Weg zu den UN-Verhandlungen in Bonn. Copyright: AdoptaNegotiator

Wenn ich mit Ayeen aus den Philippinen oder Komron aus Tajikistan spreche, ist das ganz anders. Der Klimawandel wirkt sich dort nicht nur bereits viel stärker aus. Die Menschen sind auch viel verwundbarer. Die Gletscherschmelze in Komrons Heimat gefährdet die Trinkwasserversorgung in seinem ganzen Land. Vor wenigen Wochen war ich auf den letzten offiziellen Vorverhandlungen der großen Klimakonferenz. Als ich vor wenigen Wochen bei den letzten Vorverhandlungen zur COP war, tötete Typhoon Koppu 16 Menschen auf den Philippinen und machte 16.000 Menschen obdachlos. Weltweit haben sich Sturmschäden in den letzten 20 Jahren vervierfacht und es trifft vor allem die armen Länder und Menschen.

Mit Menschen aus diesen Ländern zusammenzuarbeiten, hat den Klimawandel nochmals viel erfahrbarerer gemacht für mich. Ich glaube es geht in Paris gar nicht so sehr um meine Zukunft. Natürlich sind auch die wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel in Deutschland enorm. Gerade Dresden und Sachsen sind von extrem hoher Quecksilberbelastung durch deutsche Kohlekraftwerke betroffen, was ernsthafte gesundheitliche Folgen gerade für Kinder hat. Aber in den meisten Fällen können wir uns daran anpassen.

Anderen Menschen fehlt diese Möglichkeit schon heute: Den Bewohnern der Fiji-Inseln, der seine Heimat verlassen muss wegen steigendem Meeresspiegel; den Bauern im Norden Ghanas, deren Ackerboden unter ihren Füßen zu Wüste wird, weil die Dürren immer länger werden.

Paris kann ein ganz entscheidender Schritt werden, diese Probleme anzugehen. Deutschland und die EU könnten eine entscheidende Rolle spielen. Loss & Damage wird der Teil der Verhandlungen genannt, der sich mit unwiederbringlichen Schäden durch den Klimawandel beschäftigt.

Der soll beispielsweise Menschen helfen, die ihre Heimat wegen steigendendem Meeresspiegel verloren haben. Momentan gibt es aber nur zwei sehr gegensätzliche Textentwürfe, von der USA- geleiteten Umbrella-Gruppe und der Entwicklungsländer. Viele erwarten von der EU einen Kompromissvorschlag, um die Verhandlungen voranzubringen.

Zum ersten mal liegen konkrete Klimaschutzpläne der meisten Länder bereits vor einer Konferenz auf dem Tisch (Intended National Determined Contributions lautet der famose Name). Das ist einerseits ein großer Fortschritt, aber diese Ziele reichen nicht aus um die Erderwärmung auf 2 Grad zu beschränken.

Viele Staaten fordern deshalb, diese Klimaschutzpläne alle 5 Jahre zu überprüfen und effektiver zu machen. Deutschland und die EU haben diesem 5-Jahres-Rhythmus zum Trotz einen Zehn-Jahres-Rhythmus eingeplant, was viel weniger Spielraum für Verbesserungen und Anpassung an einen neuen Stand der Technik zulässt.

Zu lesen, dass Deutschland gerade dabei ist, sein Klimaschutzziel zu verpassen, weil Länder wie Sachsen weiterhin massiv auf Kohlestrom setzen, lässt mir eigentlich gar keine andere Wahl, als mich persönlich in Paris für Klimaschutz einzusetzen.

 

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